Voller Vorfreude und Spannung läuft Tamara mit schnellen Schritten durch die mit alten Fachwerkhäusern gesäumte Fußgängerzone. Sie hat sich schon genau überlegt, wo sie ihr Buch in die „Freiheit“ entlassen will. Es ist schon eine Weile her, dass sie die Internetseite –www.bookcrossing.de- entdeckt hat. Aber erst heute hat sie sich ein Herz genommen und möchte nun auch dieser ungewöhnlichen Art Bücher zu leihen beitreten.
Im Grunde ganz einfach. Man registriert das Buch, lässt es irgendwo liegen (natürlich dort, wo Leute vorbei kommen) und wenn es gefunden wird, liest der Finder das Buch und lässt es danach wieder irgendwo liegen. Auf dieser Art und Weise könnte ein Buch um die ganze Welt reisen! Das alles kann man dann auch im Internet verfolgen.
Schnell hat sie die perfekte Stelle gefunden. An einem Fluss in einer kleinen Gasse, direkt in der Fußgängerzone gibt es eine metallene Figur des „Schambes Klappergässer“. Eine Romanfigur, eines Schriftstellers der aus der Stadt kommt.
Diese sitzt auf einem Fass und genehmigt sich ein Glas Wein. Auf dessen Schoß legt Tamara das Buch ab und legt die Maus noch obenauf. Dort ist es etwas geschützt und liegt gut.
Noch schnell über den Kopf vom Mäuschen streicheln und Tamara ist verschwunden.
„Na toll, jetzt muss ich die Nacht draußen verbringen!“ stöhnt die Maus, wenn sie an die kalte dunkle Nacht denkt, die ihr bevorsteht.
Die Maus kann nicht wirklich zur Ruhe kommen. Es gibt zu viele seltsame Geräusche. Nach einer schlaflosen Nacht wird es langsam wieder hell und die Stadt erwacht zum Leben. Menschen ziehen an der Maus vorbei, gehen zur Arbeit oder Einkaufen. Und es dauert eine ganze Weile, bis es von jemandem entdeckt wird. „Mama, schau mal, da liegt eine Maus und ein Buch!“ läuft Tommy aufgeregt zur Figur, an der er jedes Mal anhält, wenn er vorbei kommt. Die Maus hat er schon gleich im Arm und das Buch reicht er seiner Mutter, da er noch nicht lesen kann. „Das Wunder einer Winternacht!“ liest die Mutter den Buchtitel vor. Schlägt das Buch auf und findet den Zettel, den Tamara hineingeklebt hat.
Tommy’s Mutter liest aufmerksam die Anweisungen und ist sofort von der Idee begeistert und steckt das Buch in Ihre Handtasche. Normalerweise darf Tommy nicht einfach etwas mitnehmen, was er auf der Straße findet, aber bei der Maus macht sie eine Ausnahme. „Komm Tommy, wir wollen doch basteln gehen. Sonst fangen sie ohne uns an!“ So nimmt sie ihren Sohn an die Hand und sie schlendern über die Brücke zum Gemeindezentrum. Indem heute weihnachtlich gebastelt wird.
Die Maus geht wieder auf Reisen …